Der Schuesselrahmen

Ein Schüsselrahmen war früher das Herzstück jeder Bauernküche. Hier fand alles seinen Platz – vom Geschirr über praktische Alltagshelfer bis hin zu besonderen Utensilien für traditionelle Speisen wie die Lesachtaler Schlipfkrapfen.

Der Schüsselrahmen - ein Schaufenster der Geschichte

von Josefa Unterguggenberger | in original Lesachtaler Mundart

Das ist ein sogenannter Schüsselrahmen. Den gab es früher in jeder Küche. Darin fand eigentlich das gesamte Geschirr Platz, das in einer Familie gebraucht wurde. Man hat das Geschirr einfach hintereinander hineingestellt und -gestapelt. Es gab wohl vielleicht noch eine Tischlade für das Besteck und die Messer, ansonsten hatte alles im Schüsselrahmen Platz, was in einer Bauernküche gebraucht wurde.

Auf der Truhe steht ein sogenanntes „Maßl“. Und es war in früheren Zeiten tatsächlich ein Maß für Lebensmittel wie Mohn oder Leinsamen. Das Maß ist zweigeteilt, auf der Unterseite war das Maß kleiner, obenauf größer. Man hatte keine Waage, also wurde das als Maß verwendet, und es hat gut funktioniert.

Links des Schüsselrahmens hängt eine hölzerne Schöpfkelle mit kleinen Löchern. Mein Schwiegervater hat sie vor vielen Jahren angefertigt. Früher gab es natürlich kein fließendes Wasser. Vor dem Haus befand sich ein Wassertrog, wo auch das Vieh Wasser trinken konnte. War es ein strenger Winter, und es befand sich eine dicke Eisschicht auf dem Wasser, wurde das Eis mit einer Axt zerkleinert, und mit eben dieser Schöpfkelle heraus geschöpft. Dann konnte das Vieh trinken.

Ganz zuoberst im Schüsselrahmen steht ein altes Bügeleisen, damit hat man früher die ganze Wäsche gebügelt. Das Bügeleisen hat einen Deckel, der an einem Scharnier befestigt ist. In den Innenraum gab man Glut aus dem Ofen, sodass das Bügeleisen ordentlich heiß wurde. Man musste aber auch sehr aufpassen, weil schnell auch einmal Asche heraus gestaubt ist, und dann hatte man schnell einen kleinen Fleck auf der Wäsche. Es war schon sehr mühsam mit diesem schweren Bügeleisen. Man hat aber früher nicht so viel gebügelt wie man heute bügelt. 1958 haben wir hier in Tscheltsch Strom bekommen, wir haben ein elektrisches Bügeleisen angeschafft, und das alte Bügeleisen wurde nicht mehr gebraucht.

Im Schüsselrahmen sind auch zwei große „Krapfenteller“, man brauchte sie für die sogenannten Schlipfkrapfen, eine traditionelle Speise im Lesachtal, die stets mit viel Butterschmalz serviert wurde. Meistens gab es samstags Schlipfkrapfen. Einer der beiden Krapfenteller ist in der Mitte etwas höher und flacht zum Rand hin ab. Das hatte den Zweck, dass sich dort das Butterschmalz sammelt und man die Krapfen gut in das Schmalz hinein tunken konnte.

Josefa Unterguggenberger

Josefa, Jahrgang 1941, ist die Altbäuerin auf dem Jöhrerhof. Als Kind hat sie davon geträumt, Handarbeitslehrerin zu werden, doch daraus wurde nichts, es war kein Geld da, um sie auf eine entsprechende Schule zu schicken. Sie liebt ihren Garten und die  Handarbeit (nach wie vor), versorgt die Hühner, wacht über die Chronik der Familie, erzählt gerne gute Geschichten und nimmt mit Freude Anteil am Leben ihrer sieben Kinder, ihrer 22 Enkelkinder und ihrer zurzeit fünf Urenkelkinder (Tendenz steigend). Ihr Motto: „Man darf der Not nur keinen Schwung lassen!“